Wissen

Hintergrund

Seit 1995 werden im Auftrag der Österreichischen Nationalbank OeNB monatlich 1500 Österreicherinnen und Österreichern (ab 15 Jahren) telefonisch 12 Fragen [1] zur Einschätzung der allgemeinen Wirtschaftslage, zum beabsichtigten Spar- und Konsumverhalten, zur allgemeinen Preisentwicklung sowie zur finanziellen Situation gestellt. [2] Eine Befragung auf Bundeslandebene gab es bislang nicht.

Was ist neu?

Die GAW startete dieses Projekt im August 2009 gemeinsam mit der volkswirtschaftlichen Abteilung der Wirtschaftskammer Tirol. Zukünftig wird die bislang lediglich auf nationaler Ebene [3] durchgeführte Umfrage - ergänzt um einige wenige Fragen [4] - für das Bundesland Tirol vierteljährlich durchgeführt. 500 Tirolerinnen und Tiroler ab 15 Jahren werden befragt. [5] Die Ergebnisse werden von der Tiroler Tageszeitung präsentiert.

Wozu ist eine derartige Untersuchung gut?

Mit knapp € 160 Mrd. flossen 2011 mehr als 50% [6] der österreichischen Wirtschaftsleistung in den privaten Konsum. Der private Konsum zählt somit zu den wichtigsten Größen des österreichischen Bruttoinlandsproduktes. Veränderungen des privaten Konsums sind daher zentral für die wirtschaftliche Entwicklung einer Region.

Da der Konsum wiederum nicht alleine von objektiv messbaren Größen wie dem verfügbaren Einkommen oder dem Vermögen abhängt, sondern auch subjektive Größen wie Erwartungen und Urteile eine Rolle spielen, ist es wichtig, auch letztere zu erheben, zu beobachten und zu analysieren. [7]

Die Konsumneigung als vorauseilender Indikator

Ein wichtiger vorauseilender Indikator für die Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung ist in diesem Zusammenhang die Konsumneigung. Sie wird gemessen am Saldo aus positiven und negativen Antworten auf die Frage:

Wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten für größere Anschaffungen in ihrem Haushalt (wie z.B. Möbel, Waschmaschine, Fernsehgerät usw.) mehr, genauso viel oder weniger ausgeben als in den letzten zwölf Monaten?

Abbildung 1 zeigt die Ergebnisse im Detail.

Abbildung 1: Konsumneigung Tirol1) 2)

1) nicht saisonbereinigt
2) Ein (ungewichteter) Indexwert von 0 bedeutet gleich viele positive wie negative Antworten. Alle Zahlen sind gerundet.
Quelle: WK Tirol, GAW; eigene Darstellung

Beispielsweise ergibt sich ein Indexwert [8] von –24,6% im 1. Quartal 2010 dadurch, dass 37,2% der Befragten planen, etwas weniger bzw. wesentlich weniger in den kommenden 12 Monaten auszugeben und 12,6% planen, etwas mehr bzw. wesentlich mehr auszugeben.

War der Rückgang vom 3. auf das 4. Quartal 2009 noch nicht statistisch signifikant, so setzte sich der Trend im Frühjahr 2010 fort und deutet nunmehr auf einen signifikanten Rückgang der privaten Nachfrage [9] in den kommenden 12 Monaten und damit in Folge der wirtschaftlichen Aktivität insgesamt hin. In den drei darauf folgenden Quartalen kam es zu einer signifikanten Erhöhung der Konsumneigung, welche jedoch seither wieder leicht abfiel.

Ein Vergleich der zeitlichen Entwicklung der "Tiroler" Konsumneigung mit jener auf Bundesebene [10] zeigt darüber hinaus deutliche Unterschiede und unterstreicht damit die weiter oben diskutierte Relevanz regionaler Indikatoren im Allgemeinen und der Konsumneigung im Besonderen.

Quellen

[1] Der Fragenkatalog wurde von FESSEL-GfK in Zusammenarbeit mit der OeNB entwickelt und kann z.B. dem Statistischen Monatsheft 6/2004 (S. 180 ff.) entnommen werden.
[2] Siehe Erläuterungen der OeNB zum Thema realwirtschaftliche Indikatoren.
[3] Auf übergeordneter Ebene gibt es Umfragen zum Konsumentenvertrauen.
[4] Neben den allgemeinen sozio-demographischen Daten wie Geschlecht, Alter, höchste abgeschlossene Schulbildung, Anzahl Personen im Haushalt, Beruf und Bezirk werden zusätzlich Fragen zu aktuellen Themen gestellt.
[5] Die maximale Schwankungsbreite beträgt +/- 4,38 Prozentpunkte.
[6] STATISTIK AUSTRIA, 2012.
[7] Die Volkswirtschaft, Heft 3, März 1980, S. 174 ff.
[8] Es kann auch eine Gewichtung vorgenommen werden, indem die Antworten „wesentlich mehr“ und „wesentlich weniger“ ein Gewicht von 2 bzw. –2 erhalten. In diesem Fall kann der Indexwert zwischen +200 und –200 liegen. Auf die Darstellung dieses Index wird an dieser Stelle verzichtet, da sich im vorliegenden Fall das Bild nicht wesentlich ändern würde.
[9] Die Veränderungen sollten vor dem Hintergrund der statistischen Schwankungsbreite der Ergebnisse und der noch kurzen Zeitreihe interpretiert werden.
[10] Vgl. Eurostat.